Port Davey Track (TAS)

Von Newcastle aus stieg ich nachts in den Greyhound Bus, um nach Melbourne zu tuckern. Und um die Größe Australiens ins Verhältnis zu rücken: Die Fahrt von Newcastle (über Sydney) nach Melbourne dauert mal eben 16 Stunden, die 8 Stunden Aufenthalt in Sydney nicht eingerechnet. Auf der Karte sieht das ja immer wie ein Katzensprung aus. Ich flog dann mit einem Billigliner von Melbourne nach Hobart.

In Hobart angekommen verflogen recht schnell der Missmut über die eher gescheiterte Tour nach Newcastle und ich machte Bekanntschaft mit einem Deutschen, der sich mir anschließen wollte, wohin auch immer ich losziehen würde. Da er wenig Erfahrung hatte, bezog ich ihn in die Planung ein, sorgte aber für die richtigen Mengen an benötigten Essensvorräten. Denn mein erster Trail sollte der South-East Coast Trail sein, und zwar mit dem Port-Davey Track als Einleitung. Ich habe die Wanderung deshalb in zwei separate Themenseiten aufgeteilt, obwohl die gesamte Wanderung eine ca. 14 tägige (Tor)Tour durch die Wildnis darstellte. Das alleine sollte ausreichen, um sich vorzustellen, dass unsere Rucksäcke zu Beginn des Tracks nicht gerade leicht waren. Meiner wog so um die 25kg ein, der Rucksack von Christian war eher noch schwerer. Da der Track im “nowhere” startet und quasi ebenso endet, ist es gar nicht so einfach, dort hinzukommen. Was Busverbindungen angeh,t ist Tasmanien nicht  annähernd so gut ausgebaut wie Neuseeland. Doch zum Glück war es Donnerstag und wir konnten für den Freitag einen Bus ergattern, in dem zwei weitere Reisegrüppchen in die Richtung fuhren.

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Es sei nun zu erwähnen, dass der South Coast Trail für mich mit das schönste Erlebnis meiner Weltreise war. Dabei können die Vistas nicht wirklich mit den neuseeländischen Alpen oder den grünen Wäldern Alaskas mithalten. Jedoch ist es das gewisse Etwas, was Tasmanien ausmacht: Es ist touristisch gesehen fast unerschlossen. Im Vergleich zu Neuseeland ist das Wetter vergleichbar und auch das viele Trinkwasser ist ein definitives Plus. In beiden Ländern braucht man meist nicht mal eine Flasche mit sich herumtragen, da man auch eine Tasse um den Hals hängen könnte, um sich dann an jedem Creek ein kleines Schlückchen Wasser zu genehmen. Allerdings sind einige Dinge nicht so angenehm wie beispielsweise in Neuseeland: Von den drei vorhandenen Schlangenarten sind zwei tödlich und eine tut verdammt dolle weh. Zudem leben dort die “Bull Ants”, die als zweit-tödlichste Ameisenart gelten, da viele Menschen an allergischen Reaktionen sterben, die deren Gift verursachen kann. Zudem ist die Tiefe des Matsches nach ein paar Tagen Regen nur noch in Metern zu messen. Ich steckte mehrfach bis zur Hüfte im Schlamm, nachdem es drei Tage ununterbrochen geregnet hatte. Zusätzlich habe ich noch nie in meinem Leben mehr Zecken und Blutegel getötet bzw abgezupft wie in diesen zwei Wochen. Mein persönlicher Zählstand waren 27 Zecken, wobei keine es schaffte mich zu beißen und 12 Blutegel, welche allerdings allesamt schon am Rumsaugen waren. (Tipp: ein wenig Salz wirkt hier Wunder). Es ist also definitiv kein Land für die zart betuchten Gucci-Hiker. Ein wenig relativieren kann ich das Parasiten-Problem dadurch, dass der Port-Davey Track nicht gerade oft begangen wird und ich immer vorneweg ging und somit den Einsammler spielte.

Nichtsdestotrotz kann ich behaupten, dass es der Mühe wert war. Denn nicht nur ist die Natur dort quasi unberührt, auch alle Hiker, die wir unterwegs trafen (waren nicht gerade viele) und mit denen ich teilweise zusammen lief, waren Tasmanier. Wir zwei Deutschen waren die Ausnahme. Zudem hatte ich noch nie das Gefühl gehab,t dermaßen tief in der Natur zu sein. Das hing schon damit zusammen, dass der Bus, der uns zum Trailhead brachte, im letzten Dorf durchfuhr (ca. 15 Einwohner), auf eine Kieselsteinstraße abbog und eine gute Stunde in die Wildnis fuhr. Dort setzte er uns auf einem Parkplatz ab, wo man sich in das Trailbook eintrug und los ging der Spaß. Als ich zum Ende hin wieder aus der Wildnis hervorkroch, befand ich mich in Snailcreek – einem Kaff mit ca 5 Einwohnern und ein paar Campingwagen. Zumindest fuhr dort alle paar Tage ein Bus Richtung Hobart. Das Gefühl, der Natur ausgeliefert zu sein, macht einem aber erst bewusst, wie klein und unbedeutend ein Mensch im Verhältnis zum Rest der Natur eigentlich ist. Und nirgendwo sonst hatte ich dieses Gefühl, da man hier nicht mal eben wieder zurückgehen konnte. Der Bus war sprichwörtlich abgefahren.

Wir schlossen uns gleich zu Beginn zu einer Gruppe von 6 Personen zusammen, 3 “Aussies” aus Tasmanien, einer aus Melbourne und wir zwei Deutschen. Der älteste der Gruppe war stolze 69, war körperlich aber sehr fit und hielt locker mit uns schwer bepackten Kollegen mit. Die ersten Tage sahen so aus, dass wir abmachten, auf welchem Zeltplatz wir zelten würden und so zogen wir morgens los. Da ich den schnellsten Schritt der Truppe hatte, hatte ich meist schon etwas Kaffee gekocht, sobald der Rest der Truppe nacheinander eintrudelte. Aufgrund einer Magenverstimmung mussten 3 Mitglieder unserer informellen Wandervereinigung einen Rasttag einlegen, den wir uns wegen der Essensvorräte nicht wirklich leisten konnten. Somit sagten wir am dritten Tag Lebewohl und schlenderten von nun an zu dritt durch die Pampa. Der Dritte im Bunde war der Australier aus Melbourne, der ein Sattelitentelefon mit sich herumtrug und sich somit   auch alleine sicher fühlte.Wir hatten somit auch keine großen Bedenken, als wir ihn am nächsten Tag verloren, da er wohl einen Zeltplatz früher stoppte als wir.

Unser Zeltplatz war etwas Besonderes, denn er lag direkt beim Bootsanleger. An beiden Seiten des Sees waren jeweils ein Ruderboot festgemacht und wollte man als Wanderer den See überqueren, musste man sich auf eine dreifache Ruderpartie einstellen – Einmal herüber, das zweite Boot anbinden, wieder zurück und das herüber geschleppte Boot anbinden. Dann zum dritten Mal wieder über den See, so das am Ende immer ein Boot an jedem Ufer liegt. Es war dieses Mal also wirklich von Vorteil zu zweit zu sein, obwohl das gemeinsame Rudern nicht wirklich klappte. Somit wechselten wir uns einfach ab. Auf der anderen Seite angekommen, kamen wir bald zum einzigen Anzeichen von Menschen auf dem Track: Eine Ranger-Station mit Kies-Rollfeld, auf dem man ein- und/oder ausfliegen konnte. Und wie der Name es schon vermuten läss,t waren sogar zwei Ranger vor Ort. Ansonsten waren zwei Wellblechhütten zum Übernachten bereitgestellt, und das war dann so ziemlich alles. Trotzdem war es nett, mal nicht das Zelt aufschlagen zu müssen. Außerdem hatten vorige Hiker das überschüssige Essen und Gas dagelassen, somit konnte ich meine Ernährung wieder mit Schokolade anreichern. Und es gibt nichts besseres, als Zucker im tiefsten Busch. Mein Hiking-Kamerad hatte ich diesen Tag schon länger nicht mehr gesehen. Somit machte ich mich auf die Suche und fand ihn fluchend am späten Nachmittag, die letzte Brücke über einen Creek überquerend, in Richtung Ranger-Station trotten. Seine neu gekauften Wanderschuhe hatten seine Fersen wund gescheuert, und durch den ganzen Dreck, der in den Schuhen landet, wenn man durch den Matsch watet, sah das Ganze auch schon entzündet aus. Ich riet ihm also, lieber auszufliegen, als eine Blutvergiftung zu riskieren. Wir konnten einen günstigen Flug für ihn nach Hobart ergattern, da ein Pilot gerade zwei Hiker abgesetzt hatte, die den South-East Coast Trail wandern wollten. Wie es der Zufall wollte, schliefen die beiden in derselben Wellblechhütte wie meine Wenigkeit. Morgens machten wir uns jedoch noch getrennt auf den Weg. Es ging über Holzstege durch das Moor, bis der Steg am Strand endete – endlich war ich an der Küste angekommen.

Positive Erfahrungen: Unglaublich schöne unberührte Natur, Abwesenheit jeglicher Zivilisation, geniale Wasserqualität und Menge, genügend Zeltplätze, super nette Wandergruppen, guter Wanderweg, um ein paar Prachtexemplare von tasmanischen Schlangen zu sehen.

Negative Erfahrungen: Teilweise sehr viel Regen und somit angeschwollene Flüsse und extrem viel und tiefer Matsch, Zecken und Blutegel können lästig sein.

Fazit: Wer Wert auf eine schöne Wanderung durch die tiefste Wildnis Tasmaniens legt und sich mit den Ungemütlichkeiten arrangieren kann, dem kann ich diesen wenig bewanderten Port-Davey Teil nur ans Herz legen.

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