Great North Walk (AU)

Es begann mit einer Fähre des öffentlichen Verkehrs in Richtung Osten. Schnell konnte ich noch Fotos der Oper machen und dann war die Fähre auch schon am Terminal, an dem die Reise losging. Der Trek war verhältnismäßig gut markiert und einfach zu begehen, jedoch war ein gewisses Problem geradezu offensichtlich. Ich hatte mir die falsche Jahreszeit ausgesucht. Denn das Einzige, an dem ich mich entlanghangelte, war die nächste Wasserquelle. Die Temperaturen waren alles andere als angenehm und mir rann der Schweiß in Strömen den Rücken herunter. Im Schnitt schlürfte ich um die 7 Liter Wasser am Tag. Das war aber eigentlich etwas zu wenig, da ich quasi ständig Durst schob. Das Kartenset hatte zum Glück jegliche Möglichkeit der Wasser-Akquirierung eingezeichnet und auch bei den öffentlichen Toiletten und Brunnen nicht haltgemacht. Trotzdem fand ich mich das ein oder andere Mal an der Haustür eines in der Nähe de Pfades gelegenes Privathauses, wo ich um Wasser bat. Natürlich waren alle Hausbesitzer sehr freundlich und ließen mich meine 5 Liter Wasser auffüllen, welche ich konstant bei mir trug, jedoch wurde es immer schwieriger, ernsthaft die Sinnhaftigkeit meines Unterfangens zu rechtfertigen.

Somit entschloss ich mich bei der Option gut 60 Kilometer ohne Wasser zu gehen oder einfach die Bahn zu nehmen für die Variante mit den Gleisen. Ich kürzte somit die ca 240 Kilometer auf ca. 170 km ab und begab mich auf die letzten 30 Kilometer nach Newcastle. Diesen Teil der Reise erledigte ich nach einer Nacht auf einem Campingplatz (mit Pool und Waschmaschine!) nahe der Bahnstation innerhalb eines Tages, da der Weg fast keine Höhenmeter beinhaltete. In Newcastle angekommen fand ich eine Stadt, die durch Abwanderung der Minenarbeiter nach Schließung der Mine wie eine halbe Geisterstadt daherkam. Die Hälfte aller Geschäfte war geschlossen und viele Häuser standen leer und verkommen zwischen zwei bewohnten Domizilen. Jedoch verfügte die Stadt über einen sagenhaften gut 8 km langen Strand und ein sehr nettes Hostel, in dem ich mir eine bequeme Nacht im Hochbett gönnte. Denn gegenüber dem Rest der Welt ist die Hostel-Dichte in Australien und Neuseeland mehr als vorbildlich. Man braucht als Hiker also keine Angst zu haben, kein Bett zu finden.

Und wie es der Zufall wollte, gab mir die nette Rezeptionistin einen genialen Tipp. Als ich sie fragt, wo man denn in Australien vernünftig wandern könnte, fiel ihr der Overland Track in Tasmanien ein. Nun mag ja Tasmanien durch seine im Vergleich zum “mainland” winzige Größe schnell mal vergessen sein. Ich muss zugeben, dass ich Tasmanien auch nicht gerade auf dem Schirm hatte. Aber nach ein wenig Surfen im Internet klang der Wechsel auf die kleinere Insel mehr als verlockend. Denn das Klima ist im Sommer vergleichbar mit Neuseeland,  das heißt gemäßigte Temperaturen meist unter 30°C und jede Menge Regen. Viel Regen erscheint auf den ersten Blick vielleicht nicht gerade verlockend, jedoch verspricht gerade dieser Umstand eine Sorge weniger: Kein Wasser zu haben.

Positive Erfahrungen: Schöne Landschaft, das Gefühl der Wildnis trotz der Nähe zur Zivilisation, offizieller Start des Tracks im Zentrum von Sydney ist eine geniale Idee.

Negative Erfahrungen: Saisonbedingte Wassernot, viel unnötiges Auf und Ab, Newcastle ist nicht gerade eine Stadt, die erkundet werden muss.

Fazit: Wenn man auf der Hauptinsel von Australien wandern möchte, ist dieser Weg gar kein schlechter Anfang. Allerdings sollte man nicht in der heißesten Jahreszeit auf Wanderschaft gehen, da einem der konstante Wassernotstand und die Waldbrandgefahr den Spaß verdirbt.

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